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Gehören Schalen von Süd- und Zitrusfrüchten in den Kompost?

Aufgeschnittene Zitronenschalen zwischen Laub auf einem Komposthaufen
Einzeln zwischen anderes Material gelegt, verrotten Zitrusschalen zuverlässig. Als Haufen bleiben sie monatelang liegen.

Ja, Schalen von Süd- und Zitrusfrüchten dürfen auf den Kompost. Sie verrotten zuverlässig, Zitrusschalen brauchen dafür nur länger als anderes Obst. Die Spritzmittel, wegen derer die meisten hier landen, sind dabei das kleinere Problem. Das größere ist der Zeitpunkt: Mandarinen isst du im Winter, und im Winter arbeitet der Haufen kaum.

Die Spritzmittel sind nicht der Haken

Die Sorge ist alt und sie klingt plausibel: In den Anbauländern wird viel gespritzt, über die Schale holst du dir die Mittel in den eigenen Garten und am Ende in die Komposterde.

Die Bundesgütegemeinschaft Kompost, die Gütesicherungsorganisation der deutschen Kompostwirtschaft, hält diese Sorge für „weitgehend unbegründet". Zwei Gründe nennt ihr Merkblatt für den Hausgarten: Geringste Reste von Pflanzenschutzmitteln werden von Mikroorganismen abgebaut. Und die aufgebrachten Wachse verschwinden ebenfalls, weil sie den natürlichen Wachsen auf Apfelschalen oder Laubblättern sehr ähnlich sind.

Das ist keine Entwarnung auf eigene Faust, sondern die Einschätzung derer, die Kompost berufsmäßig prüfen. Wer trotzdem sichergehen will, nimmt unbehandelte oder Bio-Ware. Falsch macht man damit nichts, nur nötig ist es für den Komposthaufen nicht.

Was wirklich hilft
Nicht die Herkunft der Schale entscheidet, sondern ihre Größe und wo sie liegt. Eine zerteilte Schale zwischen Laub und Rasenschnitt ist in Wochen weg. Ein Nest aus ganzen Orangenschalen liegt den Winter über da.

Im Winter fällt am meisten an, und da rottet es am langsamsten

Das ist der eigentliche Haken, und er hat nichts mit Spritzmitteln zu tun. Mandarinen und Orangen isst man im Winter - genau dann, wenn der Haufen kalt ist und kaum arbeitet. Die Schalen liegen dann wochenlang unverändert da, und weil ständig neue dazukommen, wächst eine nasse, saure Schicht.

Die Bundesgütegemeinschaft rät deshalb, im Herbst einen Vorrat anzulegen: trockenes Laub, Heckenschnitt oder Gehölzhäcksel, irgendwo trocken gelagert. Damit mischst du die Schalen im Winter durch, statt sie aufzuschütten. Das ist derselbe Gedanke wie beim Rasenschnitt im Sommer: Nasses und Feines braucht Grobes daneben, sonst verdichtet es.

Ringos Tipp

Verteil Zitrusschalen über den Haufen, statt sie an einer Stelle zu stapeln. Ein Nest aus Orangen- und Zitronenschalen bleibt so sauer, dass wir einen Bogen darum machen und es monatelang unangetastet liegen bleibt. Einzeln zwischen Laub und Rasenschnitt gelegt, arbeiten wir uns ganz normal durch.

Warum Zitrusschalen länger brauchen als Bananenschalen

Beides sind Südfrüchte, und trotzdem verhalten sie sich völlig verschieden. Bananenschalen sind weich, dünn und feucht, sie sind oft nach zwei bis drei Wochen nicht mehr zu finden. Zitrusschalen haben eine feste, wachsige Außenhaut und darunter die weiße Schicht, die kaum Wasser abgibt.

Dazu kommt die Säure. Sie ist nicht gefährlich, aber sie macht die Schale für die Tiere im Haufen unattraktiv - Regenwürmer meiden frische Zitrusschalen und gehen erst daran, wenn andere Mikroorganismen vorgearbeitet haben. Genau deshalb wirkt ein Schalenhaufen wie festgefroren, während zehn Zentimeter weiter alles in Bewegung ist.

Melonenschalen liegen dazwischen: sehr wasserreich, aber dickfleischig. Sie sind das beste Beispiel dafür, dass Zerkleinern mehr bringt als jede andere Maßnahme.

So machst du es richtig

  • Zerteilen. Zwei bis vier Zentimeter, bei dicken Melonen- und Ananasschalen eher kleiner. Das ist der Schritt mit der größten Wirkung.
  • Verteilen statt stapeln. Schalen einzeln zwischen anderes Material, nie als eigene Lage.
  • Im Winter mit Trockenem mischen. Laub oder Häckselgut aus dem Herbstvorrat dazu.
  • Bei großen Mengen abgeben. Wer regelmäßig kistenweise Zitrusfrüchte verarbeitet, gibt den Überschuss in die Biotonne. Dort läuft die Rotte bei über 60 Grad und macht kurzen Prozess.

Umgekehrt gibt es nichts, was du vermeiden musst. Es gibt keine Menge, ab der Zitrusschalen den Kompost „kippen", und es gibt keine Frucht aus dieser Gruppe, die nicht darf. Orangen, Zitronen, Mandarinen, Limetten, Grapefruit, Ananas, Mango, Kiwi, Melone und Banane gehen alle - Ja, mit dem Hinweis auf Stückgröße und Jahreszeit.

Machen Zitrusschalen den Boden sauer?

Das ist die Sorge, die am häufigsten weitergegeben wird, und sie hält der Praxis nicht stand. Der pH-Wert einer Zitrone liegt bei etwa 2 bis 3, das stimmt. Aber im Haufen landet sie zwischen Laub, Grünschnitt, Erde und Küchenabfällen, und die Rotte selbst arbeitet gegen sauer: Beim Abbau entstehen basisch wirkende Verbindungen, fertiger Kompost liegt üblicherweise im neutralen bis leicht alkalischen Bereich.

Was stimmt, ist die örtliche Wirkung. Direkt in einem Nest aus Schalen ist es sauer, und dort bleibt es dann auch liegen. Das ist aber ein Problem von zwanzig Zentimetern Haufen, nicht vom fertigen Kompost.

Wenn die Schalen nach Monaten noch daliegen

Kommt vor, vor allem im Februar und März, und es ist fast immer dieselbe Ursachenkette: ganze Schalen, im Winter aufgeschüttet, zu nass, zu wenig Struktur. Der Haufen ist dann nicht kaputt, er hat nur nichts zu arbeiten gehabt.

Was hilft, ist Umsetzen: Haufen auflockern, die Schalennester auseinanderziehen, trockenes Material untermischen. Beim nächsten warmen Abschnitt verschwinden sie dann zügig. Wer den Kompost ohnehin durchsiebt, hält die letzten Schalenstücke einfach zurück und gibt sie dem neuen Haufen mit.

Häufige Fragen

Ziehen Zitrusschalen Fruchtfliegen an?

Nicht die Schale zieht sie an, sondern gärendes Fruchtfleisch. Auf dem offenen Haufen im Garten ist das kein Thema. Zum Problem wird eher der Sammelbehälter in der Küche: Deckel drauf, häufig leeren, und auf dem Kompost die Schalen untermischen statt obenauf liegen lassen.

Dürfen Zitrusschalen in die Wurmkiste?

Hier lautet die Antwort anders als beim Komposthaufen: nur in kleinen Mengen und gut verteilt. In der Kiste ist das Volumen klein, die Würmer können sauren Stellen nicht ausweichen, und genau das tun sie im Gartenhaufen sonst. Im Zweifel lieber auf den Kompost damit.

Müssen die Aufkleber und Netze ab?

Ja. Die kleinen Obstaufkleber sind Kunststoff, ebenso die Netze um Mandarinen und Zitronen. Beides verrottet nicht, sondern bleibt als Schnipsel in der fertigen Erde zurück. Das Papier, in das Mandarinen einzeln gewickelt sind, darf dagegen mit drauf.

Können Zitrusschalen in den Bokashi-Eimer?

Ja, und dort stört die Säure sogar weniger als auf dem Haufen: Im Bokashi wird ohnehin mit Milchsäurebakterien angesäuert, das ist das Verfahren. Das fertige Ferment muss danach trotzdem in Erde oder Kompost eingegraben werden, es ist noch keine Erde.

Die Schalen schimmeln, bevor sie verrotten. Ist das schlimm?

Nein. Der grüne Pinselschimmel auf Zitrusschalen gehört zur Zersetzung, er ist der Anfang und nicht das Ende. Dasselbe gilt für schimmeliges Obst und Gemüse insgesamt. Eingreifen musst du nicht.