Unkraut kompostieren

Ja, Unkraut darf auf den Kompost - und zwar auch das mit Wurzelausläufern und das mit reifen Samen. Die Bedingung ist bei beiden dieselbe: vorher vollständig durchtrocknen lassen. Wirklich draußen bleiben müssen nur kranke und von Schädlingen befallene Pflanzen.
Wurzelunkräuter: erst trocknen, dann drauf
Ackerwinde, Quecke, Giersch, Ackerschachtelhalm und Löwenzahn treiben aus jedem Wurzelstück neu aus. Wirfst du sie frisch auf den Haufen, züchtest du sie dort weiter und verteilst sie beim Ausbringen über den ganzen Garten.
Die Bundesgütegemeinschaft Kompost beschreibt das Vorgehen in drei Schritten: Pflanze samt Wurzeln sorgfältig ausgraben, die Erde aus dem Wurzelballen abschütteln - und dann mehrere Tage in der Sonne vollständig durchtrocknen lassen. Danach dürfen alle Pflanzenteile auf den Kompost.
Das Abschütteln ist der Schritt, den die meisten überspringen. Bleibt Erde am Ballen, hält sie die Feuchtigkeit, und der Wurzelfilz trocknet innen nicht durch - dann treibt er später doch wieder aus.
Ansonsten gilt für Unkräuter, die auf den Kompost sollen, das Gleiche wie für alle anderen Materialien: Zerkleinern! Alles in 2 bis 3 Zentimeter große Stücke schneiden und auf dem Kompost verteilen.

Leg ausgerissenen Giersch und Quecke einen Tag lang auf eine alte Gehwegplatte oder ein Blech in die Sonne, nicht auf die Wiese. Auf feuchtem Boden wurzeln die Stücke einfach wieder an, und wir bekommen den Wurzelfilz dann nie klein. Auf dem heißen Stein sind sie nach ein paar Stunden Stroh - und Stroh ist für uns Arbeit von einer Woche.
Und wenn das Unkraut schon Samen trägt?
Hier weicht die Fachmeinung von dem ab, was man überall liest. Der übliche Rat lautet: ab in die Biotonne, ein Hobbykompost werde nicht heiß genug, um Samen abzutöten. Das mit der Temperatur stimmt auch.
Der Hebel ist aber nicht die Hitze, sondern das Trocknen. Die Bundesgütegemeinschaft schreibt: Fallen samentragende Unkräuter an, dann gehören diese, „nachdem sie getrocknet sind, ebenfalls auf den Kompost". Eine vollständig durchgetrocknete Pflanze bringt keine keimfähigen Samen mehr mit.
Besser ist es trotzdem, gar nicht so weit zu kommen: Wer rechtzeitig jätet, hat das Problem nicht. Und wer sich unsicher ist, ob die Pflanze wirklich durch ist, gibt sie in die Biotonne - dort sorgt die Anlage für Temperaturen, die der Gartenhaufen nicht erreicht.
Das Verbrennen von Gartenabfällen ist in Deutschland dagegen fast überall untersagt und nur mit einer kommunalen Ausnahmegenehmigung erlaubt.
Kranke Pflanzen sind der eigentliche Fall fürs Nein
Beim Unkraut geht es um Samen und Wurzeln, und beides lässt sich durch Trocknen erledigen. Bei kranken Pflanzen geht das nicht.
Die Bundesgütegemeinschaft ist dort deutlich: Kranke oder von Schädlingen befallene Pflanzen sollten möglichst nicht im Hausgarten kompostiert werden. Pilze und ihre Sporen werden bei der Kompostierung im Hausgarten nicht hinreichend zerstört. Namentlich genannt werden Echter Mehltau an Gurke und Kürbis, Falscher Mehltau an Kopfsalat und Spinat, Rost an Geranien und Sternrußtau an Rosen.
Dasselbe gilt für tierische Schädlinge wie Läuse, Thripse und Rote Spinnen - sie sterben nur bei sehr hohen Temperaturen ab. Solches Material gehört in die Biotonne, sonst verteilt man den Befall im nächsten Frühjahr über das ganze Beet.
Auch wer einen neuen Garten übernimmt, zum Beispiel einen Schrebergarten in einer Kleingartenanlage, steht oft vor dem Problem, dass sich über lange Zeit nicht wirklich um das Gelände gekümmert wurde. Bei großen Mengen an Unkräutern ist es meist besser, diese zu entsorgen. Gartenanlagen sollten hierfür entsprechende Möglichkeiten bereitstellen.
Siehe auch: Landwirtschaftskammer - Werden Unkrautsamen beim Kompostieren zerstört?
Unkräuter zu Jauche vergären
Wer partout ausgestochenes oder herausgezogenes Unkraut nicht auf den Kompost werfen möchte, sollte diese für den Gartenboden wertvollen Inhaltsstoffe nicht einfach im Restmüll entsorgen. Das wäre viel zu schade, denn nichts in der Natur ist umsonst.
Eine hervorragende Möglichkeit ist die Herstellung einer Jauche aus Unkräutern. Viele schwören unter anderem auf Brennnesseljauche, um Gemüse und Obst mit Stickstoff zu versorgen und die Pflanzen zu stärken.
Gegen Blattläuse wird dagegen kein vergorener Sud eingesetzt, sondern ein kalter Brennnesselauszug, der nach ein bis zwei Tagen unverdünnt gespritzt wird.
Das funktioniert natürlich nicht nur mit Brennnesseln, sondern mit allen Unkräutern, die bei der Gartenarbeit anfallen. Hier sogar mit bereits ausgebildetem Samen.
Hilfreiche Anleitungen dazu findest du unter anderem bei www.hortipendium.de oder im Youtube-Kanal von Gartengemüsekiosk.
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Löwenzahn auf den Kompost
Blätter und Triebe verrotten schnell und liefern Stickstoff. Wurzeln und Samenstände überstehen den Haufen.
Häufige Fragen
Wie lange muss Unkraut in der Sonne liegen?
Bis es raschelt und bricht statt zu biegen. Bei Sommerwetter reichen zwei bis drei Tage, bei bedecktem Himmel kann es eine Woche dauern. Der Test ist einfach: Lässt sich ein Wurzelstück noch biegen, ist innen Feuchtigkeit - dann treibt es später wieder aus.
Was mache ich bei Regenwetter, wenn nichts trocknet?
Unter ein Vordach oder in eine flache Kiste in den Schuppen legen, locker und einlagig. Wer den Platz nicht hat, gibt Wurzelunkraut in die Biotonne - im Herbst ist das oft der praktischere Weg als wochenlanges Warten.
Darf Giersch wirklich auf den Kompost?
Ja, getrocknet. Giersch ist der klassische Problemfall, weil schon fingernagelgroße Rhizomstücke neu austreiben. Genau deshalb kommt es auf das Abschütteln der Erde und das vollständige Durchtrocknen an. Wer dabei ungern Risiko geht, nimmt für Giersch die Biotonne und kompostiert den Rest.
Sind Unkräuter als Kompostmaterial überhaupt etwas wert?
Durchaus. Frisches Grünzeug ist stickstoffreich und damit genau das, was neben holzigem Material fehlt. Tiefwurzler wie Löwenzahn und Beinwell holen dazu Nährstoffe aus Schichten, an die flach wurzelnde Pflanzen nicht herankommen.
Was ist mit Unkraut aus Pflasterfugen?
Das ist meist mit Sand und Splitt durchsetzt, und beides stört im Kompost nicht - es wandert beim Sieben ohnehin wieder heraus. Anders sieht es aus, wenn die Fugen mit einem Mittel behandelt wurden: Dann gehört das Material in die Restmülltonne.