Kompostbeschleuniger: Welche natürlichen Methoden gibt es?

Kompostieren ist eine hervorragende Möglichkeit, Garten- und Küchenabfälle in wertvolle Erde zu verwandeln. Doch manchmal will der Haufen einfach nicht so recht verrotten. Hier helfen Kompostbeschleuniger.
Aber braucht man diese wirklich? Und welche natürlichen Methoden gibt es, um die Verrottung zu fördern?
Wann braucht man einen Kompostbeschleuniger?
Dieser ist dann zu empfehlen, wenn der Zersetzungsprozess ins Stocken gerät. Dies kann passieren, wenn der Kompost zu trocken, zu nass oder zu nährstoffarm ist. Auch eine falsche Mischung von "grünem" und "braunem" Material kann dazu führen, dass der Haufen nicht richtig funktioniert.
Typische Anzeichen sind eine geringe Erwärmung des Haufens, langsame Zersetzung und unangenehme Gerüche. In solchen Fällen können Kompostbeschleuniger helfen, die Rotte wieder in Gang zu bringen.
Bei einem gut aufgebauten und gepflegten Komposthaufen sind Kompostbeschleuniger in der Regel gar nicht nötig.

Bevor du etwas streust, greif erst einmal hinein. Fühlt sich der Haufen in 30 cm Tiefe staubtrocken an, fehlt uns schlicht Wasser, und keine Tüte der Welt ersetzt eine Gießkanne. Krümelfeucht wie ein ausgedrückter Schwamm ist der Zustand, bei dem wir richtig loslegen.
Natürliche Methoden zur Kompostbeschleunigung
Materialien mit hohem Stickstoffgehalt
Die Kompostfibel des Umweltbundesamtes nennt als Zielbereich ein C/N-Verhältnis zwischen 25 und 35, erreicht durch eine Mischung aus frischem grünem und holzigem Material. Genau darauf zielt jeder Beschleuniger, ob gekauft oder selbst angesetzt: Er bringt Stickstoff dorthin, wo zu viel Kohlenstoff liegt.
Einer der wichtigsten Faktoren für eine schnelle Verrottung ist das richtige Verhältnis von stickstoffreichen (grünen) und kohlenstoffreichen (braunen) Materialien. Grasschnitt, Küchenabfälle und frische Gartenabfälle liefern den Mikroorganismen die nötige Energie.
Ohne ausreichend Stickstoff können die Mikroben halt nicht effektiv arbeiten. Es empfiehlt sich daher, diese Materialien regelmäßig in den Haufen einzuarbeiten. Achtung: Zu viel Gras kann den Haufen verdichten und zu Sauerstoffmangel führen. Zu viele Gehölze bewirken das Gegenteil.
Kaffeesatz
Kaffeesatz ist ein beliebter natürlicher Kompostbeschleuniger. Er enthält viel Stickstoff, der den Rotteprozess unterstützt. Außerdem lockt er, wie auch Zellstoffe und Pappe, Regenwürmer an, die für die Durchlüftung und Zerkleinerung des Komposts sorgen.
Die regelmäßige Zugabe von Kaffeesatz kann also helfen, den Kompost schneller zu zersetzen. Optimal ist eine Mischung mit anderen Materialien, um das Gleichgewicht im Komposthaufen zu erhalten.
Brennnesseljauche
Der Klassiker unter den selbst angesetzten Mitteln. 1 Kilo frische Brennnesseln auf 10 Liter Wasser, offen stehen lassen, täglich umrühren. Nach ein bis zwei Wochen ist die Gärung durch, erkennbar daran, dass es nicht mehr schäumt.
Auf dem Haufen wird sie unverdünnt aufgebracht, anders als im Beet. Sie bringt zweierlei mit, was ein stockender Kompost meist braucht: Stickstoff und Feuchtigkeit. Wer ohnehin einen Ansatz für die Tomaten stehen hat, gießt den Rest auf den Haufen, statt ihn wegzukippen.
Der Geruch ist das Argument dagegen, und es ist ein gutes. Eine Handvoll Gesteinsmehl in den Ansatz bindet ihn spürbar.
Hornspäne und Hornmehl
Beides ist gemahlenes Rinderhorn und damit fast reiner Stickstoff. Der Unterschied liegt in der Körnung: Hornmehl ist fein und wirkt in Tagen, Hornspäne sind grob und geben über Monate ab. Für einen Haufen, der jetzt stehen bleibt, ist Hornmehl das Richtige.
Es ist die teuerste der natürlichen Methoden und zugleich die einzige, die nicht ohnehin im Haushalt anfällt. Wer Rasenschnitt oder Kaffeesatz zur Hand hat, braucht sie nicht.
Urin als Beschleuniger
Was ungewöhnlich klingt, ist in der Praxis wirksam. Urin enthält Stickstoff, Phosphor und Kalium, also genau die Nährstoffe, die Mikroorganismen brauchen, und er ist kostenlos. Eine gelegentliche Zugabe von verdünntem Urin (1:10 mit Wasser) bringt einen stehenden Haufen in Gang.
Nur gesunden Urin verwenden und auf den Feuchtigkeitsgehalt achten, damit der Haufen nicht absäuft. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, lässt es besser.

Meine Meinung dazu: Hier bin ich raus. Ich pinkle nicht auf meinen Komposthaufen, auch wenn es ökologisch sinnvoll ist. Wer es anders hält, macht nichts falsch.
Gesteinsmehl und Kalk
Gesteinsmehl kann helfen, den pH-Wert des Komposts zu regulieren und die Bodenlebewesen zu fördern. Vor allem bei saurem Kompost, z. B. durch Nadeln oder Eichenlaub, kann eine Zugabe sinnvoll sein. Kalk hat eine ähnliche Wirkung, sollte aber sparsam eingesetzt werden, da ein zu hoher pH-Wert die Mikroorganismen schädigt.
Was beide nicht können: den Haufen belüften. Das ist ein verbreiteter Irrtum. Gesteinsmehl ist ein feines Pulver, es füllt Hohlräume eher, als dass es welche schafft. Für Luft sorgt Grobes - Zweige, Häcksel, Laub - und das Umsetzen. Gesteinsmehl arbeitet am pH-Wert und bindet Gerüche, mehr nicht.
Gekaufte Kompostbeschleuniger, sinnvoll oder überflüssig?
Im Handel, wie auf Bau- und Gartenmärkten, gibt es eine Vielzahl von Kompostbeschleunigern. Diese enthalten meist Mikroorganismen, Enzyme und Nährstoffe, die den Abbau beschleunigen sollen.
Aber braucht man sie wirklich? Bei einem gut gepflegten Komposthaufen sind gekaufte Beschleuniger meist überflüssig. Natürliche Methoden wie die Zugabe von Stickstoffquellen und regelmäßiges Umsetzen reichen oft völlig aus. Ist der Kompost jedoch stark verdichtet oder ungleichmäßig befüllt, können solche Produkte helfen, das Gleichgewicht wiederherzustellen.
Ich benutze sie ab und zu, da es in meinem kleinen Garten doch recht schwierig ist, den Thermokomposter dauerhaft optimal zu befüllen.
Tipps für eine rasche Kompostierung
Ein gut funktionierender Kompost braucht Pflege. Regelmäßiges Umsetzen sorgt für Belüftung und beschleunigt die Verrottung. Die Feuchtigkeit sollte gleichmäßig sein, nicht zu trocken und nicht zu nass. Eine Abdeckung schützt vor zu viel Regen und Austrocknung. Wenn der Kompost langsam arbeitet, sind natürliche Beschleuniger eine einfache Möglichkeit, den Prozess zu unterstützen.
Natürlich kommt es auch auf die richtige Befüllung an: Was gehört in den Kompost und was gehört nicht in den Kompost sind immer wieder Fragen, die zu Problemen beim Kompostieren führen können.
Fazit: Natürliche Kompostbeschleuniger wie Stickstoffquellen, Kaffeesatz und Gesteinsmehl reichen meist aus, um die Rotte zu optimieren. Gekaufte Produkte sind bei gut gepflegten Komposthaufen selten notwendig, können aber in Problemfällen hilfreich sein.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis ein Beschleuniger wirkt?
Bei feuchtem, gut gemischtem Material merkt man es nach wenigen Tagen an der Wärme. Bleibt der Haufen kalt, fehlt fast immer etwas anderes als Stickstoff - meistens Wasser, manchmal Luft. Dann hilft auch die dritte Gabe nicht.
Kann ich zu viel Beschleuniger geben?
Ja. Zu viel Stickstoff kippt das Verhältnis in die andere Richtung, der Haufen wird schmierig und riecht nach Ammoniak. Das ist derselbe Fehler wie zu viel frischer Rasenschnitt, nur teurer.
Hilft Hefe oder Zucker als Kompostbeschleuniger?
Das kursiert als Hausrezept, meist mit Zucker und Backhefe in Wasser. Die Hefe stirbt im Haufen rasch ab, weil er ihr zu kalt und zu grob ist. Was bleibt, ist der Zucker als kurze Mahlzeit für die Mikroorganismen. Ein Schwung Rasenschnitt bringt mehr.
Brauche ich im Thermokomposter überhaupt einen Beschleuniger?
Seltener als im offenen Haufen. Der Thermokomposter hält die Wärme, und Wärme ist der Hauptfaktor. Ins Stocken gerät er meist aus dem umgekehrten Grund: Er wird zu nass, weil kein Regen verdunstet. Dann hilft Trockenes, nicht Stickstoff.
Was ist mit Kompoststartern aus dem Gartencenter?
Die enthalten Mikroorganismen und Nährstoffe und sind nicht falsch - nur überflüssig, wenn der Haufen ohnehin gut befüllt ist. Ein paar Schaufeln reifer Kompost leisten dasselbe und kosten nichts. Was es gibt und was es kann, steht unter Kompostbeschleuniger.