kompostergarten
Start › Pappe kompostieren

Pappe kompostieren

In Stücke gerissene braune Wellpappe auf einem Komposthaufen, daneben Küchenabfälle und Grünschnitt
So sieht es aus, wenn es funktioniert: klein gerissen, durchnässt, untergemischt. Eine ganze Schachtel am Stück wäre der häufigste Fehler.

Sauberer brauner Karton verrottet im Gartenkompost, aber er ist der langsamste Bestandteil des Haufens. Pappe verhält sich stofflich wie Holz, nicht wie Laub. Deshalb entscheidet nicht die Frage ob, sondern die Frage wie viel: deutlich unter einem Viertel des frisch aufgesetzten Materials, klein gerissen und vorher nass gemacht.

Pappe ist Holz, kein Laub

Das eine Zahlenverhältnis, an dem bei diesem Thema alles hängt, ist das von Kohlenstoff zu Stickstoff. Die einzige zitierfähige Tabelle dazu stammt vom Cornell Waste Management Institute, und sie ordnet Wellpappe eindeutig ein.

MaterialC/N-VerhältnisWas das heißt
Wellpappe563:1reiner Kohlenstoff, fast kein Stickstoff
Hartholzhäckselim Mittel 560:1praktisch derselbe Wert
Zeitungspapier398 bis 852:1je nach Papiersorte
Herbstlaub40 bis 80:1ein gutes Braunmaterial
Rasenschnitt9 bis 25:1Grünmaterial, Stickstofflieferant
Ziel beim Aufsetzen25 bis 35:1laut Umweltbundesamt

Wellpappe liegt damit rund zwanzigfach über dem, was die Rotte braucht, und sie liegt im selben Bereich wie Häckselgut aus Zweigen. Wer sie wie Laub behandelt, behandelt sie falsch. Der zweite Wert aus derselben Tabelle wird noch häufiger übersehen: Pappe bringt nur etwa 8 Prozent Eigenfeuchte mit, während ein arbeitender Haufen bei 40 bis 60 Prozent liegt. Pappe kommt also praktisch trocken an und zieht sich das Wasser erst einmal aus dem Rottegut, bevor überhaupt ein Mikroorganismus an ihr arbeitet. Genau deshalb ist trockene Pappe im Haufen so auffällig lange unverändert zu sehen.

Eine ehrliche Zahl gibt es hier nicht: Wie lange Pappe im Gartenkomposter tatsächlich braucht, ist nie gemessen worden, weder zerkleinert noch am Stück. Die im Netz kursierenden Angaben von zwei Wochen bis fünf Monaten stammen aus keiner Untersuchung. Was belegt ist, sind die Rahmenwerte des Umweltbundesamtes: Reifekompost im Sommerhalbjahr nach etwa vier bis sechs Monaten, sonst nach sechs bis zwölf. Und die Hygienisierungstemperatur von 55 bis 60 Grad wird im Hausgarten ohnehin "eher selten und auch nicht durchgehend" erreicht, weil kleine Haufen sich nicht genug erhitzen.

Die Menge entscheidet, und dafür gibt es Zahlen

Hier ist die Quellenlage besser als beim Rest des Themas, weil sich zwei voneinander unabhängige Arbeiten auf denselben Korridor zubewegen. Francou und Kollegen fanden bei Mischungen mit 20 bis 40 Prozent Papier und Pappe eine zügige Stabilisierung der organischen Substanz, während Anteile über 50 Prozent die Rotte beeinträchtigten, und zwar ausdrücklich wegen Stickstoffmangels. Eine ältere Arbeit von Lopez Alvarez, die uns nur als Zitat in einer Übersichtsarbeit vorliegt, nennt als Schwelle einen Papieranteil unter 27 Prozent, unterhalb derer keine nachteiligen Effekte auftraten.

Beides sind Versuche unter kontrollierten, industrienahen Bedingungen und keine Gartenkomposter, und beides sind Massenanteile im Ansatz, keine Eimer im Behälter. Als Faustregel für die Praxis trägt trotzdem: deutlich unter einem Viertel dessen, was frisch aufgesetzt wird.

An dieser Stelle steckt zugleich der häufigste Übertragungsfehler des deutschen Gartennetzes. Die bekannte Empfehlung, ein Viertel bis die Hälfte Grünmaterial und der Rest braunes Material, meint alle Braunstoffe zusammen: Laub, Häckselgut, Stroh, Pappe. Sie ist kein Freibrief für einen Haufen, der zur Hälfte aus Kartons besteht. Die deutsche Behördenempfehlung formuliert den Strukturanteil ohnehin anders und nennt dafür gehäckselte Zweige, nicht Pappe.

Wichtig ist auch, welcher Stickstoffmangel hier gemeint ist. Es geht um die Mikroorganismen im Haufen, die ohne Stickstoff den Kohlenstoff nicht verarbeiten können. Das ist nicht dasselbe wie die Stickstoffsperre im Beet, von der bei unfertigem Kompost oft die Rede ist. Zu der wurde in der gesamten Recherche keine einzige Untersuchung gefunden, die sich speziell auf Papier oder Pappe bezieht. Wer auf Nummer sicher gehen will, gibt pappehaltigen Kompost erst aus, wenn er wirklich fertig ist, und siebt die Reste zurück in den nächsten Durchgang.

Reißen, nässen, untermischen

Das Zerkleinern ist der einzige Vorbereitungsschritt, für den es Zahlen gibt, und die Begründung dafür ist simpel: Kleinere Stücke bieten den Enzymen mehr Angriffsfläche. Die Fachliteratur nennt Partikelgrößen von 2,5 bis 7,2 Zentimetern und die besten Ergebnisse bei etwa einem Zentimeter, rät aber zugleich, die Größen im Gemisch bewusst zu variieren, weil das die Luftdurchlässigkeit sichert.

  • Reißen statt schneiden. An der Rissstelle steht die Faser offen, an der Schnittkante liegt sie glatt. Handflächengröße ist die Untergrenze, kleiner ist besser.
  • Vorher nass machen. Trockene Pappe entzieht dem Haufen Wasser. Ein Eimer, in dem die Stücke ein paar Minuten liegen, reicht.
  • Untermischen, nicht schichten. Eine geschlossene Lage bremst Luft und Wasser. Das gilt besonders in geschlossenen Kunststoffkompostern, für die das Umweltbundesamt wegen der Fäulnisneigung ausdrücklich zum Untermischen gröberen Materials rät.
  • Klebeband, Etiketten und Klammern vorher abziehen. Sie verrotten nicht und liegen ein Jahr später im fertigen Kompost.

Dass Pappe umgekehrt den Haufen belüftet, liest man oft. Belegt ist es nicht: Es existiert keine Messung, die das Luftporenvolumen eines Komposthaufens mit und ohne Pappe verglichen hätte, und weder das Umweltbundesamt noch die bayerische Landesanstalt führen Pappe unter den strukturgebenden Materialien. Dort stehen Zweige, Heckenschnitt und holziges Häckselgut. Pappe ist ein Kohlenstoffträger und ein Feuchtepuffer, kein Strukturmaterial.

Was hinein darf und was nicht

MaterialWarum
Brauner Versandkarton, unbedruckt oder sparsam bedrucktgeeignetStärkeleim aus Wasser, Stärke und Natronlauge, sonst nur Faser
Eierkartons aus Formfasergeeignetsaugfähig, zerfällt schnell
Hülsen von Küchen- und Toilettenpapiergeeignetdünn, nimmt sofort Wasser auf
Kassenbons und Parkticketsnicht geeignetThermopapier, siehe unten. Gehört in den Restmüll
Fettabweisende Lebensmittelverpackung, Formfaserschalennicht geeignethäufig mit Fluorchemikalien ausgerüstet
Getränkekartonsnicht geeignetrund 75 Prozent Karton, 21 Prozent Kunststoff, 4 Prozent Aluminium
Hochglanz, Zeitschriften, Alttapetennicht geeignetin der Bioabfallverordnung ausdrücklich ausgeschlossen

Für alles, was sich nicht auf den ersten Blick einordnen lässt, hilft ein Handgriff, der in keiner Quelle steht und deshalb ausdrücklich als Faustregel gekennzeichnet sei: Ein Stück in ein Glas Wasser legen und eine Viertelstunde warten. Was sich danach zwischen den Fingern in Fasern zerlegen lässt, ist Papier. Was zusammenhält, sich pappig anfühlt oder eine Folie freigibt, trägt eine Beschichtung und gehört nicht in den Kompost. Der Test erkennt Wachs, Kunststofflaminat und Aluminiumkaschierung in einem Durchgang.

Beim Thermopapier ist die Empfehlung am besten abgesichert, und sie ist ein doppelter Rat: Kassenbons gehören weder in den Kompost noch ins Altpapier, sondern in den Restmüll. Der Grund liegt an einer Stelle, an die kaum jemand denkt. Bisphenol A ist in Thermopapier seit Anfang 2020 stark beschränkt, ein großer Teil der Hersteller ist aber auf Bisphenol S ausgewichen, das von der Beschränkung nicht erfasst wird. Landen die Bons im Altpapier, wandern die Stoffe in den Recyclingkarton. Eine Untersuchung von zehn Pizzakartons fand in neun davon Bisphenol A und in acht Bisphenol S.

Regenwürmer und Pappe: was dran ist

Kaum ein Satz zu diesem Thema wird so oft wiederholt wie der, dass Pappe Regenwürmer geradezu anzieht. Wer eine Lage anhebt und darunter ein Gewimmel findet, hat dafür auch den Augenschein auf seiner Seite. Die Beobachtung stimmt, nur ist die übliche Erklärung wahrscheinlich die falsche.

Dicht beieinanderliegende rote Kompostwürmer in dunklem Rottegut zwischen Laubresten
Ende Februar in meinem eigenen Komposter, gleich unter der obersten Schicht. Genau so ein Anblick steckt hinter der Behauptung, und er ist echt. Die Frage ist nur, was er beweist.

Eine Unterscheidung hilft dabei, die in den meisten Texten fehlt. Im Rottegut selbst leben andere Tiere als im Beet daneben: die roten, deutlich geringelten Kompostwürmer, die sich in frischem, feuchtem organischem Material sammeln. Im Gartenboden sitzen dagegen Arten, die dauerhafte Röhren anlegen und nachts an die Oberfläche kommen. Wer über Pappe im Haufen spricht, meint die einen, wer über Pappe auf dem Beet spricht, die anderen. Die Befunde dazu sind nicht austauschbar.

Belegt ist zunächst etwas anderes, als man erwartet. In einem Laborversuch zur Wurmkompostierung wurden sechs Zuschlagstoffe verglichen, und ausgerechnet Pappe brachte die höchste Kokonrate: 3,19 Kokons je Wurm und Woche, vor Papier mit 2,82, während die Kontrolle ohne Zuschlag bei 0,05 lag (Domínguez, Edwards und Webster). Gewachsen sind die Würmer im selben Versuch aber bei Küchenabfall am stärksten. Beides zusammen legt nahe, dass Pappe über Struktur und das Kohlenstoffverhältnis wirkt und nicht als Futter. Der Versuch lief im Labor mit Kompostwürmern, gilt also zuerst für die Wurmkiste und nicht ungeprüft für das Gartenbeet.

Für die Fläche im Garten liefert die Bodenkunde den zweiten Baustein. Eine Metaanalyse über 165 Veröffentlichungen aus 65 Jahren und 40 Ländern fand unter dauerhaft bedeckten, nicht gepflügten Böden 137 Prozent mehr Regenwürmer und 196 Prozent mehr Biomasse als unter dem Pflug (Briones und Schmidt), mit den stärksten Effekten bei genau den Gruppen, die man unter einer Abdeckung erwartet. Das ist eine Aussage über Bodenruhe und Bedeckung, nicht über Pappe. Der Mechanismus ist aber derselbe, und er ist gut belegt.

Die Rechnung, die das Rätsel löst, liefert eine Erhebung auf 159 Ackerflächen: Dort wurden im Mittel 145 Regenwürmer je Quadratmeter gezählt (Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft). Unter einem Quadratmeter Pappe sitzt also ohnehin ein dreistelliger Bestand. Was sich ändert, wenn du abdeckst, ist nicht ihre Zahl, sondern wo sie sich tagsüber aufhalten. Du siehst dadurch wirklich mehr Würmer, als wenn du danebengräbst. Es leben nur nicht mehr dort.

Ringos Tipp

Heb die Pappe ruhig mal hoch und schau nach uns, aber leg sie danach gleich wieder hin. Dass wir da zu Dutzenden liegen, heißt nicht, dass wir mehr geworden sind. Unter der feuchten Pappe chillen wir einfach oben, statt in tiefere Regionen abzutauchen. Nimmst du die Abdeckung ganz weg, verteilen wir uns wieder, und am nächsten Tag siehst du von uns nichts mehr.

Das ist keine Spitzfindigkeit, sondern praktisch wichtig. Eine Umverteilung verschwindet wieder, sobald die Abdeckung weg ist. Ein echter Zuwachs der Population braucht dagegen Jahre dauerhafter Bedeckung, und genau das messen die Mulchstudien. Die Zahl, die man im Netz am häufigsten liest, Pappe verdreifache die Wurmzahl, stammt aus einem einzigen Versuch auf einem Bauernhof, dessen Autoren selbst schreiben, das Ergebnis sei beschreibend brauchbar, aber nicht statistisch belastbar. Die Parzellen waren nicht wurmdicht getrennt, die Tiere konnten also schlicht hin und her wandern. Eine kontrollierte Untersuchung zur Wurmdichte unter Pappe gibt es bis heute nicht, auch keine deutsche.

Eine praktische Regel folgt trotzdem daraus, und sie passt zu allem anderen auf dieser Seite. Regenwürmer haben zwar ein eigenes Enzym für Zellulose, kommen an die kristalline Form aber nur mit Hilfe von Mikroorganismen heran. Trockene Pappe ist für den Wurm nichts, durchfeuchtete und bereits mikrobiell besiedelte schon. Wer also etwas für die Würmer tun will, nässt die Pappe vor. Das ist derselbe Handgriff, der auch die Rotte in Gang bringt.

Pappe auf dem Beet

Der zweite große Einsatzweg ist die lichtdichte Lage auf der Grasnarbe, über die dann Kompost kommt. Dagegen steht der verbreitete Einwand, Pappe ersticke den Boden. Der lässt sich überprüfen, denn es gibt genau eine kontrollierte Studie, in der Pappe eine eigene Versuchsvariante ist (Shahzad und Kollegen), und sie wird fast immer nur zur Hälfte zitiert.

Gemessen wurde der Gasaustausch unter fünf Varianten. Der Diffusionskoeffizient fällt tatsächlich deutlich ab, von über 10-3 Quadratzentimetern je Sekunde bei Holzhäckseln auf 10-4 bei Pappe, 10-5 beim Unkrautvlies und 10-6 bei Polyethylenfolie. Im selben Versuch steht aber auch der Satz, der in der Weitergabe verloren geht: Die Kohlendioxid- und Sauerstoffgehalte im Boden unterschieden sich unter keinem der Mulchmaterialien wesentlich von der unbedeckten Kontrolle, mit Ausnahme der Folie. Pappe bremst den Luftaustausch also messbar, dichtet aber nicht ab. Bemerkenswert am Rande: Die Fachfrau, deren Kritik die These vom erstickten Boden populär gemacht hat, ist Mitautorin dieser Studie.

Praktisch heißt das: Gegen Grasnarbe und flach wurzelnde Einjährige funktioniert die Methode zuverlässig, die Pappe ist dabei einmaliges Startwerkzeug und nach zwei bis drei Monaten weich. Gegen ausläuferbildende Arten wie Giersch, Quecke und Ackerwinde funktioniert sie nicht, die kommen von den Rändern zurück. Entscheidend ist dort nicht die Pappe, sondern wie dick und wie lange die Auflage darüber liegt. Nicht gemessen wurden übrigens Bodenfeuchte und Bodentemperatur unter Pappe, und auch nicht, wie lange eine Lage unter mitteleuropäischem Wetter hält.

Und die Biotonne?

Rechtlich ist die Lage klarer, als die Verwirrung vermuten lässt: Papier ist kein Bioabfall. In Anhang 1 der Bioabfallverordnung ist der frühere Eintrag "Papier und Pappe" als weggefallen gekennzeichnet. Übrig geblieben ist Papier dort nur noch als Sammel- und Transportmaterial, nämlich Küchenkrepp und Zeitungspapier in kleinen Mengen, wenn es beim Sammeln praktisch ist. Beschichtetes Papier, Hochglanzpapier und Papier aus Alttapeten sind ausdrücklich unzulässig.

Alles Weitere entscheidet deine Kommune, und da gehen die Regeln bei identischem Bundesrecht weit auseinander. Manche Landkreise erlauben Pappe ausdrücklich, andere verbieten jede Art von Tüte, auch die aus Papier. Der Grund dafür ist die Anlagentechnik: Wo der Bioabfall nur Tage oder drei Wochen im Prozess ist, bleibt schlicht nicht genug Zeit. Was in deiner Tonne erlaubt ist, steht deshalb nur in deiner Abfallsatzung. Ausführlich steht das bei uns auf der Seite zu Zeitungspapier in der Biotonne.

Für den eigenen Haufen im eigenen Garten gilt das alles nicht. Wer seine Küchen- und Gartenabfälle auf dem selbst genutzten Grundstück verwertet, ist von der Überlassungspflicht befreit, und für den privaten Komposthaufen gibt es weder eine bundesweite Positivliste noch Grenzwerte. Was in der Biotonne verboten ist, kann auf dem eigenen Haufen zulässig sein. Die Grenzen sind dort nachbarrechtlicher Natur, es geht um Abstand, Geruch und Ungeziefer.

Der beste Grund, es trotzdem zu lassen

Das stärkste Argument gegen Pappe im Kompost ist kein gesundheitliches, sondern ein Rechenexempel. Deutschland sammelte zuletzt 12,4 Millionen Tonnen Altpapier bei einer Rücklaufquote von 78,2 Prozent, und die Papierindustrie deckt rund 84 Prozent ihres Faserbedarfs daraus (Umweltbundesamt). Eine Faser, die in den Kreislauf zurückgeht, ersetzt dort frisches Holz, und sie hält weit mehr Runden aus, als die alte Branchenregel von fünf bis sieben Durchgängen behauptet: Eine Untersuchung der TU Darmstadt fand nach 25 Zyklen keine nennenswerte Faserverkürzung.

Im Komposthaufen ist dieser Wert nach einem einzigen Durchgang aufgebraucht. Dafür bekommst du Kohlenstoff und etwas Struktur, also genau das, was im Garten durch Laub, Häckselgut oder Stroh mühelos zu ersetzen ist. Das ist auch die Linie des Umweltbundesamtes, das kleine Mengen unbedrucktes Papier für geeignet hält, größere Mengen aber im Altpapier sehen will. Fairerweise gehört die Gegenrichtung dazu: Stark verschmutzte Pappe, der fettige Pizzakarton, taugt fürs Altpapier nicht. Dort lautet der Vergleich nicht Recycling gegen Kompost, sondern Kompost gegen Restmüll, und dann entscheidet der Wasserglas-Test.

Eine Zahl dazu gibt es allerdings nicht. Es existiert keine Ökobilanz, die Papierrecycling direkt gegen die Kompostierung derselben Menge rechnet. Sätze wie "Recycling ist dreimal besser" sind deshalb nicht belegbar, auch wenn die Richtung stimmt.

Was bei diesem Thema niemand gemessen hat

Pappe und Kompost ist ein im Netz dicht bearbeitetes Thema und zugleich eines der messdatenärmsten, die uns untergekommen sind. Damit du einordnen kannst, was du anderswo liest, hier offen die Lücken: Es gibt keine gemessene Rottedauer von Pappe im Gartenkomposter. Es gibt keine Messung des Luftporenvolumens mit und ohne Pappe. Es gibt keine kontrollierte Zählung von Regenwürmern unter Pappe. Es gibt keine Zahlen zu Bodenfeuchte und Bodentemperatur darunter. Es gibt keine Untersuchung, die Papier oder Pappe als Ausgangsmaterial mit Schadstoffen im fertigen Kompost verknüpft. Und es gibt keine einzige deutsche Versuchsanstalt, die Wellpappe als Mulch überhaupt angefasst hätte.

Das hat eine Folge, die man sauber aussprechen sollte, statt sie in die eine oder andere Richtung zu drehen: Für sauberen braunen Versandkarton ist kein Schadstoffbefund dokumentiert. Eine Untersuchung, die ihn ausdrücklich für unbedenklich erklärt, gibt es aber ebenso wenig. Nicht belegt belastet ist nicht dasselbe wie geprüft unbedenklich. Wer das weiß, kann die eigene Entscheidung treffen, und für die meisten Gärten läuft sie auf dieselbe Antwort hinaus: die paar Kartons, die ohnehin anfallen, klein gerissen und nass gemacht unter das Rottegut, den Rest ins Altpapier.

Wenn du wissen willst, was sonst noch in den Haufen darf, hilft die Übersicht zu geeigneten Materialien weiter, und für den umgekehrten Fall die Liste, was nicht hineingehört. Wer gerade viel trockenes Braunmaterial hat, findet bei Laub kompostieren die Alternative, die dem Haufen näher steht als jede Pappe.

Häufige Fragen

Wie lange braucht Pappe im Kompost?

Das ist nie gemessen worden, und jede konkrete Angabe im Netz ist geraten. Belegt sind nur die Rahmenwerte des Umweltbundesamtes für den Haufen insgesamt: im Sommerhalbjahr vier bis sechs Monate, sonst sechs bis zwölf. Pappe ist darin der langsamste Bestandteil. Rechne damit, dass Reste beim Sieben übrig bleiben, und gib sie in den nächsten Durchgang.

Muss ich die Pappe wirklich vorher nass machen?

Es hilft sehr. Pappe bringt nur rund 8 Prozent Eigenfeuchte mit, ein arbeitender Haufen liegt bei 40 bis 60 Prozent. Trockene Pappe zieht sich das Wasser erst aus dem Rottegut und liegt so lange fast unverändert da. Ein paar Minuten im Eimer reichen.

Ist das Klebeband ein Problem?

Das Band selbst verrottet nicht und liegt später im fertigen Kompost. Der Kleber der Wellpappe dagegen ist unkritisch, er besteht aus Wasser, Stärke und Natronlauge. Abziehen lohnt sich also, kleine Reste sind kein Drama.

Stimmt es, dass Pappe Regenwürmer anzieht?

Die Beobachtung stimmt, die übliche Erklärung wohl nicht. Auf Ackerflächen wurden im Mittel 145 Regenwürmer je Quadratmeter gezählt, unter einem Quadratmeter Pappe sitzt also ohnehin ein dreistelliger Bestand. Unter der Abdeckung bleiben sie tagsüber oben, statt sich zurückzuziehen. Du siehst dadurch tatsächlich mehr Würmer als beim Nachgraben nebenan, es leben aber nicht mehr dort. Ein echter Zuwachs braucht Jahre dauerhafter Bodenbedeckung.

Darf bedruckte Pappe auf den Kompost?

Sparsam bedruckter brauner Karton ist unkritisch, Schwermetalle in Druckfarben sind in Europa kein absichtlicher Bestandteil mehr. Hochglanz und Zeitschriften gehören nicht hinein, die schließt auch die Bioabfallverordnung aus. Kassenbons sind ein eigener Fall und gehören in den Restmüll.

Pizzakarton auf den Kompost oder ins Altpapier?

Fettig verschmutzte Pappe taugt fürs Altpapier nicht mehr. Ob sie in den Kompost darf, hängt an der Beschichtung: Viele Kartons für fettige Speisen sind fettabweisend ausgerüstet. Wenn sich ein Stück nach einer Viertelstunde im Wasserglas nicht in Fasern zerlegen lässt, gehört es in den Restmüll.