Engerlinge im Kompost

Engerlinge im Komposthaufen sind fast immer Rosenkäfer oder Nashornkäfer, und beide sind Nützlinge. Sie fressen totes Pflanzenmaterial, keine Wurzeln. Der Rosenkäfer ist obendrein besonders geschützt, absammeln und vernichten ist bei ihm nicht nur unnötig, sondern verboten.
Die Kriechprobe entscheidet in zehn Sekunden

Alle Engerlinge sehen gleich aus: weißlich, gekrümmt, brauner Kopf. Unterscheiden lassen sie sich an etwas anderem, daran, wie sie sich bewegen. Leg die Larve auf eine feste, glatte Fläche und sieh zu. Der NABU beschreibt es so:
| Bewegung | Art | Bedeutung |
|---|---|---|
| robbt auf dem Rücken | Rosenkäfer | Nützling, geschützt |
| gekrümmt in Seitenlage | Maikäfer | Wurzelfresser |
| robbt in Bauchlage | Junikäfer | Wurzelfresser |
Auf dem Rücken zu robben sieht so unbeholfen aus, dass man es nicht verwechselt, wenn man es einmal gesehen hat. Die Rosenkäferlarve hat dafür kräftige Borsten auf dem Rücken und ausgesprochen kurze Beine, die ihr zum Laufen nichts nützen.
Der Fundort sagt fast dasselbe
Noch einfacher als die Kriechprobe ist die Frage, wo das Tier saß. Die beiden Gruppen leben nicht am selben Ort:
- Im Komposthaufen, im Laubhaufen, im morschen Holz: Rosenkäfer und Nashornkäfer. Sie brauchen abgestorbenes Material.
- Im Beet und unter der Rasennarbe: Mai-, Juni- und Gartenlaubkäfer. Sie brauchen lebende Wurzeln.

Ein Engerling, den du beim Umsetzen des Haufens aus dem Rottegut schaufelst, ist damit schon aus Gründen des Fundorts kein Rasenschädling. Wer gelbe Flecken im Rasen hat und dort nachgräbt, findet dagegen sehr wahrscheinlich eine andere Art.
Die Größe hilft zusätzlich: Rosenkäferlarven werden bis zu 5 cm lang, Nashornkäferlarven über 10 cm. Wer im Kompost einen Engerling in Daumendicke findet, hat einen Nashornkäfer erwischt, ein beeindruckendes Tier und ebenfalls harmlos.
Sie sind der Grund, warum dein Haufen Holz schafft
Rosenkäferlarven können Holz verdauen. Das ist im Haufen eine seltene Fähigkeit: Häcksel, Zweige und Rindenreste sind genau das Material, an dem sich die Rotte sonst am längsten aufhält. Wo viele Engerlinge sitzen, geht holziges Material schneller.
Ihr Kot ist dabei bereits fertiger Humus. Ein Haufen mit Rosenkäferbesatz liefert also nicht trotz, sondern wegen der Larven schneller brauchbare Komposterde. Wer viel gehäckseltes Material einbringt, zieht sie fast zwangsläufig an.
Rosenkäfer sind besonders geschützt
Das ist der Punkt, an dem die meisten Ratgeber im Netz falsch liegen. Cetonia aurata, der Gemeine Rosenkäfer, steht in Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung mit dem Vermerk „besonders geschützt". Damit greift § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes: Tiere besonders geschützter Arten dürfen nicht gefangen, verletzt oder getötet werden.

Was das praktisch heißt: Die verbreitete Empfehlung „Engerlinge absammeln und in Seifenwasser geben" ist für die Art, die tatsächlich im Kompost sitzt, rechtswidrig. Wer sie beim Umsetzen findet, legt sie zurück in den Haufen. Mehr ist nicht zu tun.
Der Schutz gilt für den Käfer und für alle seine Entwicklungsstadien, also auch für die Larve. Das ist kein akademischer Hinweis: Rosenkäfer sind der häufigste Engerlingfund im Hausgarten überhaupt.
Für den Nashornkäfer gilt dasselbe. Oryctes nasicornis steht in derselben Liste, ebenfalls als besonders geschützt. Damit stehen beide Arten unter Schutz, die im Kompost überhaupt vorkommen. Wer im Haufen einen Engerling findet, kann also auf die Bestimmung verzichten und ihn einfach liegen lassen: Die Antwort ist in jedem Fall dieselbe.
Wann es wirklich Schädlinge sind
Es gibt den Fall, und dann sieht er anders aus. Mai-, Juni- und Gartenlaubkäferlarven fressen Wurzeln und Triebe. Bei starkem Besatz entstehen im Rasen unschöne gelbe Stellen, und die Narbe lässt sich dort wie ein Teppich abheben, weil die Wurzeln fehlen.
Auch dann gilt: Das passiert im Rasen, nicht im Haufen. Kompostieren verursacht keinen Engerlingbefall im Rasen. Der Zusammenhang, den viele vermuten, gibt es nicht, die Arten, die den Rasen schädigen, legen ihre Eier gar nicht im Kompost ab.
Wer im Rasen etwas tun will, tut es dort: gründlich wässern in der Flugzeit, weil die Weibchen trockene Flächen zur Eiablage bevorzugen, und bei starkem Befall über Nematoden nachdenken. Mit dem Komposthaufen hat das nichts zu tun.

Wenn du beim Umsetzen auf ein Nest voller Engerlinge stößt, schaufle die ganze Partie samt dem Material drumherum in die Ecke, die als Nächstes reift. Sie sitzen da, wo das Holzige liegt, und da sollen sie auch bleiben. Wir Würmer und sie kommen uns nicht ins Gehege, wir arbeiten an verschiedenen Sachen.
Was du nicht tun solltest
Kein Mittel, kein Kalkstickstoff, kein Umgraben aus Sorge. Alles drei richtet im Haufen mehr Schaden an als die Larven, die du damit loswirst, und trifft vor allem die Regenwürmer, die du sicher behalten willst.
Wer die Tiere genauer ansehen will, hebt sie mit der Schaufel heraus statt mit der Hand: Die Larven sind weich und lassen sich leicht verletzen. Danach zurück in den Haufen, mit Material bedeckt, damit sie nicht in der Sonne liegen.
Häufige Fragen
Wie viele Engerlinge sind im Kompost noch normal?
Es gibt keine Obergrenze, an der es kippt. Rosenkäferlarven schaden dem Haufen nicht, egal wie viele es sind - sie fressen totes Material, nicht das, was du ernten willst. Ein Nest mit Dutzenden Tieren ist ein Zeichen für einen gut versorgten Haufen, kein Alarmsignal.
Kann ich Engerlinge aus dem Kompost in den Rasen umsetzen?
Besser nicht, aber nicht aus Sorge vor Schäden: Rosenkäferlarven brauchen abgestorbenes, holziges Material und verhungern in einer Rasennarbe. Sie gehören zurück in den Haufen oder in einen Laubhaufen.
Kommen Engerlinge in die Biotonne, wenn ich sie loswerden will?
Nein. Beim Rosenkäfer wäre das nach § 44 BNatSchG das Töten eines besonders geschützten Tieres, in der Vergärungsanlage überlebt keine Larve. Und bei den anderen Arten nützt es nichts, weil die gar nicht aus dem Haufen stammen.
Woran erkenne ich einen Nashornkäfer-Engerling?
An der Größe. Er wird über zehn Zentimeter lang und ist daumendick, dagegen wirkt eine Rosenkäferlarve mit ihren maximal fünf Zentimetern klein. Auch er ist harmlos und lebt von morschem Holz.
Meine Kübelpflanzen kümmern, und im Topf sitzen Engerlinge. Was nun?
Im Topf ist die Lage umgekehrt: Dort ist kaum totes Holzmaterial, also stammen die Tiere meist vom Gartenlaubkäfer und fressen tatsächlich Wurzeln. Die Kriechprobe klärt es. Robben sie auf dem Rücken, ist es doch ein Rosenkäfer, der mit der Erde eingewandert ist.